Osaka. 06:00 Uhr. Der Wecker klingelt wieder erbarmungslos. Heute steht Himeji auf dem Plan. Also ungefähr anderthalb Stunden südwestlich von Osaka. Danach Kobe. Klingt erstmal nach einem sauber geplanten Tag. Tja. Natürlich fing es direkt mit leichter Verwirrung an.
Diesmal hat uns ausgerechnet Osaka Station ausgetrickst. Normalerweise funktioniert das Leitsystem hier fast erschreckend gut. Heute dagegen: keine Spur von der blauen A Line Richtung Himeji. Keine Schilder. Keine Hinweise. Und noch wichtiger: kein Frühstück aus dem Konbini organisiert. Das allein hebt den Schwierigkeitsgrad schon merklich an.
## Osaka Station gegen uns
Wir irren also etwas durch die Station, während die Zeit langsam unangenehm wird. Extra früh los und die Verbindung fährt nur ungefähr alle 40 Minuten. Zumindest laut Plan.
Am Ticketschalter dann endlich ein Hinweis. Bahnsteig gefunden. Leider genau in dem Moment, als der Zug gerade abfährt. Ich konnte ihm praktisch beim Beschleunigen hinterhersehen. Auch schön.
Vier Minuten später fährt allerdings einfach der nächste Rapid ein. Ebenfalls Richtung Himeji. Google Maps kannte den scheinbar nicht oder wollte uns bewusst nervös machen. Man weiß es nicht.
Unterwegs hielt der Zug dann an mehreren Stationen, die laut Google eigentlich gar nicht existieren sollten. Spannend. Aber am Ende kamen wir ganz normal in Himeji an. Japanischer Bahnverkehr bleibt trotzdem beeindruckend zuverlässig. Selbst wenn man selber zwischendurch keine Ahnung mehr hat, was gerade passiert.
## Orientierung mit viel Improvisation
In Himeji selber wurde es dann erstmal… interessant.
Die Orientierung war überraschend schwierig. Vieles nur auf Japanisch, Busanzeigen ebenfalls. Englisch hielt sich eher zurück. Und wenn man selber kein Japanisch spricht und gefühlt niemand Englisch spricht, wird selbst simples „Wo müssen wir hin?“ plötzlich zu einer kleinen Tagesaufgabe.
Irgendwie haben wir uns aber durchgewurschtelt. Viel improvisiert. Viel geraten. Und erstaunlicherweise meistens richtig.
## Himeji-jō – die weiße Burg
Die Burg selber war dann jede Mühe wert.
Himeji Castle wirkt schon von außen beeindruckend. Groß, weiß und ziemlich erhaben über der Stadt. Nicht umsonst gilt sie als eine der bekanntesten Burgen Japans und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Wir sind auch innen durch die Burg gelaufen. Viel Holz, steile Treppen und überall das Gefühl, dass Samurai früher definitiv bessere Knie hatten als ich heute. Oben über den Wehrgang zu laufen hatte aber schon was.
Danach noch in den dazugehörigen Garten. Etwas ruhiger, etwas entspannter und ein schöner Kontrast zur Burg selbst.
Koko-en direkt neben der Burg besteht aus mehreren klassischen japanischen Gartenanlagen. Sehr gepflegt. Sehr ruhig. Und angenehm ohne irgendein Freizeitparkgefühl.
## Kobe: unscheinbares Gebäude, absurd gutes Steak
Danach wieder zurück Richtung Osaka. Mit Zwischenstopp in Kobe. Schließlich musste das Thema Kobe-Rind irgendwann ernsthaft angegangen werden.
Erst ein bisschen durch die Harbourlands gebummelt.
Kobe Harborland ist im Prinzip genau das, was der Name verspricht: Hafenbereich, Promenade, Shopping, Restaurants, Blick aufs Wasser. Nett zum Laufen. Vor allem nach mehreren Stunden Burgbesichtigung.
Das eigentliche Highlight wartete aber später irgendwo in einer kleinen unscheinbaren Gasse. Unscheinbares Gebäude. 6. Stock. Kein großes Tamtam. Und dort dann endlich echtes Kobe-Steak.
Direkt am Tisch gegrillt.
Das Erlebnis selber war fast schon überraschend kurz. Zack zack, fertig. Kein großes Event drumherum. Eher effiziente Präzisionsarbeit. Aber das Fleisch… schon brutal gut. So zart, dass Kauen fast optional wurde. Wahrscheinlich das beste Steak der Reise bisher.
Und ja, jetzt verstehe ich zumindest ein bisschen, warum um Kobe Beef so ein Aufwand gemacht wird.
## Zurück nach Osaka
Danach noch ungefähr 30 Minuten Zugfahrt zurück nach Osaka. Und dann ganz glamourös: zum zweiten Mal Wäsche waschen. Der wahre Endgegner jeder längeren Reise.
Morgen steht der letzte volle Tag in Osaka an. Mindestens Dōtonbori am Abend ist gesetzt. Wahrscheinlich viel Neon, viele Menschen und vermutlich wieder irgendein Essen, dessen Namen ich erst hinterher richtig verstehe.
Mal sehen, was als Nächstes schiefgeht. Konbanwa.
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