Tokio, Tag zwei. Oder eigentlich eher: Tag zwei und die Füße kündigen langsam die Zusammenarbeit auf. Stimmung trotzdem gut. Vielleicht etwas kaputt, aber das gehört hier irgendwie dazu. Das ist definitiv kein Strandurlaub mit Cocktail und Liege. Eher Dauerlauf mit Neonbeleuchtung.
Und gelaufen sind wir heute wirklich. Viel. Sehr viel.
Reizüberflutung mit Ansage
Erster großer Programmpunkt: Akihabara. Das Elektronikviertel. Sonntags sind dort mehrere Blocks für Autos gesperrt und komplett Fußgängerzone. Und ehrlich gesagt reicht das auch gerade so aus. Was dort los war, ist schwer zu beschreiben.
Überall Bildschirme. Musik. Werbung. Stimmen. Automaten. Anime. Elektronik. Menschen. Noch mehr Menschen. Lautsprecher beschallen die Straße von allen Seiten gleichzeitig. Man wird vom Angebot regelrecht erschlagen. Nicht im übertragenen Sinn. Wirklich erschlagen.
Kein Vergleich mit Deutschland. Dort würde wahrscheinlich schon nach zehn Minuten jemand wegen „zu viel Reiz“ einen Arbeitskreis gründen.
Trotzdem spannend. Einfach weil man ständig irgendwo hinschaut und denkt: Was zur Hölle wird hier eigentlich verkauft?
Donald Duck und der Greifautomat
Ein kleines Highlight war definitiv Thomas am Greifautomaten. Er wollte unbedingt einen Donald Duck aus einem dieser japanischen UFO-Catcher ziehen.
Hat natürlich nicht geklappt.
Aber ich war ehrlich gesagt fast mehr überrascht darüber, wie sehr er sich dafür begeistern konnte. Diese Automaten stehen hier wirklich überall und offenbar entwickelt selbst ein erwachsener Mann innerhalb von Sekunden einen sportlichen Ehrgeiz, wenn irgendwo eine Plüschente hinter Glas liegt.
Japan macht komische Dinge mit Menschen.
Yamanote Line und Google Maps Kampfmodus
Die Yamanote Line wird langsam unser mobiles Zuhause. Einmal im Kreis durch Tokio. Rein, raus, weiter. Funktioniert erstaunlich gut.
Google Maps dagegen… schwierig.
Einerseits unfassbar hilfreich. Ohne die Hinweise zu Gleisen, Ausgängen und Verbindungen wäre man hier wahrscheinlich verloren. Keine Chance für Apple Maps. Wirklich nicht.
Andererseits wirkt Google Maps manchmal wie eine Software, die von Leuten entwickelt wurde, die noch nie selbst unterwegs waren. Wie kommt man zurück zur Tour? Wo ist plötzlich Live View hin, wenn man es braucht? Warum muss jede Funktion irgendwo versteckt sein?
Man merkt: Die App kann alles. Außer entspannen.
Shibuya Crossing: komplett drüber
Dann Shibuya.
Und ja, die berühmte Kreuzung ist absurd voll. Aber eigentlich ist nicht die Kreuzung das Verrückte. Sondern alles drumherum. Die Geschäfte. Die Cafés. Der Bahnhof. Das Shibuya Building. Überall Menschen. Dauernd Lärm. Dauernd Bewegung.
Man steht da und denkt irgendwann einfach nur noch: okay.
Wir sind natürlich mehrfach über die Kreuzung gelaufen. Wenn schon, denn schon.
Später ging es hoch auf Shibuya Sky. Die Plattform unter freiem Himmel mit Blick über die Stadt. Sehr windig. Sehr voll. Sehr viele Menschen mit dem offensichtlichen Ziel, heute noch das Foto des Jahrhunderts zu produzieren.
Und ja, wir natürlich nicht. Hüstel.
Die Aussicht war trotzdem stark. Skytree, Tokio Tower, dazu ständig Flugzeuge in der Einflugschneise. Wir haben den Sonnenuntergang abgewartet, auch wenn sich an den guten Spots langsam Zustände wie beim Sommerschlussverkauf entwickelt haben.
Die Glasscheiben dort oben sind für Fotografen allerdings eher so mittel. Viele Reflexionen. Viel Gefluche hinter der Kamera. Gehört vermutlich dazu.
Ueno Park, Schreine und ein kurzer Gang runter
Zwischendurch waren wir auch im Ueno Park unterwegs, dazu ein paar Schreine. Das war nach all dem Neon und Lärm fast schon angenehm ruhig.
Tokio schafft diesen Wechsel ziemlich gut. Eben noch völlige Reizüberflutung, fünf Minuten später steht man irgendwo zwischen Bäumen und denkt kurz, der Puls normalisiert sich wieder.
Kurz. Wirklich nur kurz.
Frühstück bei Lawson und Kapselhotel voraus
Abends nochmal kurz zur Star-Wars-Ausstellung unterhalb des Starbucks in Shibuya, danach zurück Richtung Hotel. Unterwegs noch schnell etwas gegessen und bei Lawson Frühstück organisiert. Banane und Joghurt. Hochkulinarisch.
Im Hotel dann noch den Koffertransport nach Hakone organisiert. Funktioniert hier alles erstaunlich unkompliziert.
Morgen ziehen wir für eine Nacht ins Kapselhotel „9 Hours“. Mal sehen, wie viel Privatsphäre in eine bessere Schlafröhre passt.
Unterm Strich war heute vor allem eines: laut, voll, warm und anstrengend. Aber eben auch genau deshalb spannend. Tokio gibt einem keine Minute Ruhe. Das kann nerven. Aber langweilig wird es definitiv nicht.
Konbanwa.
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