# Tokio kann laufen machen
Der erste komplette Tag in Tokio. Und erstaunlicherweise hält sich der Jetlag bisher ziemlich zurück. Vielleicht kommt der Hammer noch. Vielleicht hat der Körper auch einfach kapituliert und beschlossen, jetzt erstmal mitzumachen. Stimmung jedenfalls gut. Strahlender Sonnenschein, warm, blauer Himmel. Gefährlich gute Bedingungen, um völlig größenwahnsinnig zu werden, was Tagesplanung angeht.
## James Bond war schon hier
Los ging es mit einem kleinen Nerd-Moment für mich. Das Hotel New Otani Tokyo spielte 1967 in You Only Live Twice eine Rolle als Sitz von Osato Chemicals. Und ja, ich stand tatsächlich grinsend an derselben Stelle herum, an der damals Sean Connery unterwegs war. Muss man nicht verstehen. Hat mich trotzdem gefreut.
Eigentlich wollten wir anschließend in den berühmten Rosengarten des Hotels. Tja. Hochzeit. Komplett gesperrt. Kein Durchkommen. Vermutlich einer dieser Momente, in denen man merkt, dass man gerade nicht der Hauptcharakter ist.
War aber halb so wild, denn auf der anderen Seite der Anlage liegt der japanische Garten. Wasserfall, viel Grün, erstaunlich ruhig mitten in dieser Riesenstadt. Schon beeindruckend, wie Tokio ständig zwischen „kompletter Wahnsinn“ und „plötzlich friedlich“ wechseln kann.
## Tokio bedeutet laufen. Viel laufen.
Danach ging es weiter Richtung Kaiserpalast. Riesiger Wassergraben, knallblauer Himmel und Temperaturen, bei denen man irgendwann merkt, dass man doch mehr Wasser hätte trinken sollen.
Was mittlerweile ziemlich gut funktioniert: U-Bahn fahren. Ehrlich gesagt fühlen wir uns inzwischen fast wie Einheimische. Rein- und raus-tappen mit der digitalen Suica läuft völlig selbstverständlich. Am ersten Tag standen wir noch leicht irritiert an den Schranken und fragten uns heimlich, ob das Geld wirklich abgebucht wurde oder ob wir gerade versehentlich Schwarzfahrer auf internationalem Niveau sind.
Jetzt laufen wir einfach durch und vertrauen blind dem System. Wahrscheinlich der Moment, bevor irgendetwas schiefgeht.
Was man in Tokio allerdings unterschätzt: die Wege. Das U-Bahn-Netz ist fantastisch, keine Frage. Aber zwischen „wir steigen aus“ und „wir sehen Tageslicht“ liegen teilweise gefühlt mehrere Postleitzahlen. Man sammelt hier Schritte, ohne es zu merken.
## Mittagessen mit Risikoabwägung
Nach dem Kaiserpalast wollten wir irgendwo spontan eine Kleinigkeit essen. Sah nett aus. Problem war nur: mögliche Meeresfrüchte. Oder besser gesagt: möglicherweise irgendwo verarbeitet.
Und genau das ist leider so eine Sache, bei der ich keinen Helden spiele. Zweimal im Urlaub schlechte Erfahrungen gemacht reicht völlig. Verständigung war etwas schwierig, und am Ende haben wir das Restaurant lieber wieder verlassen. Schade, aber falsches Eiweiß und ich liege flach. Darauf kann ich verzichten.
Also weitergezogen und später woanders etwas gegessen. Weniger Abenteuer, dafür entspannter.
## Tokio Tower und ein kleiner Technik-Kulturschock
Später dann noch zum Tokyo Tower. Natürlich touristisch ohne Ende, aber irgendwie gehört das halt dazu. Wir haben uns draußen und drinnen eine ganze Weile aufgehalten und einfach ein bisschen die Szene beobachtet.
Gegen halb sechs zurück Richtung Hotel, kurz Pause machen und danach noch zum Tokyo Metropolitan Government Building. Eigentlich war der Plan, auf eine der Aussichtsplattformen zu fahren. Natürlich waren ausgerechnet heute die Aufzüge wegen Wartungsarbeiten gesperrt.
Tokio wäre aber nicht Tokio, wenn es nicht trotzdem noch irgendetwas liefern würde. Also standen wir draußen und schauten uns die große Illuminationsshow am Gebäude an. Pokémon, Manga, Pac-Man, Godzilla — komplett drüber und gleichzeitig ziemlich großartig.
## Der Seven-Eleven-Moment
Zum Abschluss noch schnell in einen Konbini. Also Convenience Store. In unserem Fall ein 7-Eleven.
Und dort kam dann wieder der Moment, in dem das Landei in der Großstadt auftaucht.
Die digitale Suica wollte beim Bezahlen nicht so wie ich wollte. Kommunikationsproblem inklusive. Also Barzahlung. Ich sollte meinen Geldschein in irgendeinen Automaten stecken und anschließend auf einem Display bestätigen.
Theoretisch simpel.
Praktisch standen Augen, Ohren und Hirn bei mir kurzzeitig nicht mehr miteinander in Kontakt. Irgendwann hat dann jemand hinter mir in der Schlange einfach den Knopf gedrückt, damit ich mein Wechselgeld bekomme. Teamwork international.
## Gegen 22:30 Uhr komplett erledigt
Am Ende des Tages waren wir einfach nur platt. Nicht wegen Stress. Eher wegen dieser Mischung aus Laufen, Eindrücken, Geräuschen und ständig neuen Situationen.
Tokio macht einen fertig. Aber auf eine ziemlich gute Art.
Mal sehen, was morgen wieder nicht funktioniert.
Konbanwa.
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