Vorletzter Tag in Tokio. Und ehrlich gesagt: genau richtig, um einen Gang runterzuschalten. Keine Jagd mehr nach Sehenswürdigkeiten im Akkord. Kein „das müssen wir unbedingt noch sehen“. Einfach treiben lassen zwischen Ginza, Asakusa und dem ganz normalen Wahnsinn dieser Stadt.
Der Morgen beginnt entspannt. Vom Hotel in Ginza sind es knapp zwei Kilometer bis zum Hamarikyū-Park. Für Tokio-Verhältnisse fast schon ein Spaziergang durchs Wohnzimmer.
## Hamarikyū: Ruhe mit Skyline
Der Hamarikyū-Park ist schon ein ziemlich spezieller Ort. Vorne gepflegte Grünanlagen, Wasser, Bäume, Ruhe. Dahinter diese Wand aus Hochhäusern aus Beton, Glas und Stahl. Der Kontrast funktioniert erstaunlich gut. Irgendwie wie ein kleiner Gegenangriff gegen die Stadt, der erstaunlicherweise nicht verliert.
Ein bisschen erinnert das an den Central Park in New York. Nicht wegen der Größe. Eher wegen dieses Gefühls: ein paar Schritte und plötzlich ist der Großstadtlärm deutlich weiter weg.
Wobei „weit weg“ relativ ist. Kaum verlässt man den Park Richtung Ginza, meldet sich Tokio sofort wieder zurück. Verkehrslärm, Motoren, Menschen. Direkt neben mir gibt ein Fahrer Gas, als wolle er persönlich widersprechen, nachdem ich kurz vorher noch dachte, wie angenehm leise diese Stadt eigentlich oft ist.
Trotzdem auffällig: kaum Gehupe. Sirenen eher selten. Ein Hubschrauber macht hier gefühlt mehr Krach als der Straßenverkehr.
## Shoppingmission Yukata
Simone war weiterhin auf der Suche nach einem Yukata. Oder Nemaki. Oder Kimono. Irgendwas davon. Hauptsache passend und nicht irgendein Touristen-„Japan!“-Fummel.
Also sind wir mehrere ausgesuchte Geschäfte angelaufen. Ergebnis: Die KI hatte teilweise mal wieder kreativ übertrieben. Überraschung. Manche Läden gab es zwar, aber eben nicht mit dem, was angeblich dort verkauft werden sollte.
Unter anderem landeten wir bei MUJI. Schon interessant. Minimalismus verkaufen und gleichzeitig Menschen dazu bringen, erstaunlich viel Schnickschnack zu kaufen, ist offenbar eine Kunstform. Hat funktioniert.
Mit mehreren Taschen ging es erst mal zurück ins Hotel. Kurz durchschnaufen. Sachen ablegen. Ein bisschen sortieren. Danach wieder ab in die U-Bahn Richtung Asakusa.
## Asakusa: Tokio in laut, eng und voller Eindrücke
Asakusa wirkt wie eine komplett andere Welt als Ginza. Mehr Altstadtgefühl, mehr traditionelle Fassaden, mehr Tempel, mehr Menschen mit Kameras und Snacks in der Hand.
Rund um den berühmten Sensō-ji-Tempel zieht sich ein endloser Markt durch die Straßen. Und „endlos“ ist hier nicht mal stark übertrieben. Ehrlich gesagt braucht man dafür eigentlich einen ganzen Tag. Ein paar Stunden reichen gerade mal zum Durchschieben und Eindrücke einsammeln.
Und irgendwann passiert nach fast drei Wochen Japan etwas völlig Normales: Man bekommt Lust auf etwas Vertrautes.
## Burger statt Sushi
Also gab es Burger, Pommes und Cola.
Und ja: Das war in dem Moment einfach großartig.
Der Reiz des Fremden nutzt sich irgendwann ein bisschen ab. Nicht negativ gemeint. Aber nach sehr viel Reis, Fisch, Nudeln und japanischem Frühstück fühlt sich ein ordentlicher Burger plötzlich fast exotisch an.
Jemand anderer Meinung? Feel free.
## Don Quijote: kontrollierter Wahnsinn
Zum Abschluss noch in einen Don Quijote in Asakusa gegangen. Oder besser gesagt: hineingestolpert.
Don Quijote ist schwer zu erklären. Im Prinzip ein Geschäft. Praktisch eher eine sensorische Grenzerfahrung.
Enge Gänge. Waren bis unter die Decke. Menschen überall. Blinkende Schilder. Musik. Farben. Noch mehr Musik. Sachen, von denen ich weder wusste, dass es sie gibt, noch wofür man sie braucht.
Und natürlich gibt es dort ein System. Vermutlich. Irgendwo.
Ich würde trotzdem niemals irgendetwas wiederfinden.
Nach ungefähr 15 Minuten war der Akku leer. Nicht vom Handy. Vom Gehirn.
## Letzte Nacht in Tokio
Zurück im Hotel war es schon halb neun. Dann begann der wenig glamouröse Teil einer Reise: Koffer taktisch packen.
Morgen früh auschecken, aber der Flug geht erst abends. Also so packen, dass alles für Lounge, Handgepäck und Resttag funktioniert. Ein Strategiespiel mit Reißverschlüssen.
Online eingecheckt. Noch einmal auf Tokio geschaut. Dann ins Bett.
Die letzte Nacht in dieser Stadt.
Ach ja: Simone hat am Ende tatsächlich noch den Yukata gefunden, den sie gesucht hat. In Asakusa. Fast auf Anhieb. Nach dem ganzen Hin und Her eigentlich schon wieder typisch. Sie ist zufrieden. Ich auch.
Sayōnara.
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