Heute gut geschlafen. Nach Onsen am Abend davor sowieso eine gefährliche Mischung. Man wird langsam bequem.
Dabei war der Tag eigentlich nur als Transfertag geplant. Also einer dieser Tage, an denen man denkt: „Da passiert eh nichts Besonderes.“ Tja. Natürlich passiert dann trotzdem genug.
Zweiter Versuch Mount Fuji
Früh raus, ausgecheckt, Gepäck geparkt und pünktlich zur ersten Gondel um 9 Uhr gestartet. Zweiter Versuch, Mount Fuji zu sehen. Das Wetter unten an der Talstation sah noch halbwegs hoffnungsvoll aus, aber die Wolken hatten offensichtlich andere Pläne.
Spätestens oben in der Gondel war klar: auch heute nichts. Wieder kein Blick auf Japans berühmtesten Berg. Langsam glaube ich, dass der einfach ein Gerücht ist. Im Internet gibt es wahrscheinlich nur sehr gute Photoshop-Leute.
Dann fing es auch noch an zu regnen. Also zurück ins Hotel. Fotos sortieren, ein bisschen Dateien austauschen und einfach abwarten. Nicht spektakulär, aber ehrlich gesagt auch mal ganz angenehm.
Mit dem Bus nach Odawara
Um 13 Uhr stand der Bus pünktlich vor dem Hotel. In Japan schreibt man „pünktlich“ ja eigentlich nur noch aus Gewohnheit dazu, weil hier sowieso alles pünktlich ist.
Knapp eine Stunde bis zur Station in Odawara. Dort dann heute endlich Shinkansen. Bullet Train. Der Zug sieht wirklich aus wie eine Gewehrkugel. Selbst wenn man keine Ahnung von Zügen hat, versteht man sofort: Das Ding meint es ernst.
Am Bahnhof lief alles erstaunlich unkompliziert. Eigener Eingang, QR-Code scannen, perfekte Ausschilderung bis zum exakten Wagenstellplatz. Da könnten sich manche Flughäfen mal ein paar Notizen machen.
Im Zug selbst dann erstmal Überraschung: 3+2 Bestuhlung. Also doch etwas enger als gedacht. Dafür WLAN, Ruhe und absolut kein Chaos.
Und keine Fahrkartenkontrolleure. Braucht hier auch keiner. Wer kein gültiges Ticket hat, kommt gar nicht erst bis zum Bahnsteig.
280 km/h fühlen sich erstaunlich normal an
Das Verrückteste am Shinkansen ist eigentlich nicht die Geschwindigkeit, sondern wie unspektakulär sich das Ganze anfühlt.
280 km/h und man sitzt da mit seinem Getränk, schaut aus dem Fenster und denkt sich: „Joah.“
Allerdings hatte unser Zug auch zwölf Stopps auf der Strecke nach Kyoto. Da fragt man sich schon kurz, was ohne Stopps möglich wäre. Beim nächsten Mal müssen wir wohl irgendeinen Direktzug erwischen.
Das eigentliche Highlight waren eher die Durchfahrten im Bahnhof. Zwei Shinkansen gleichzeitig, jeweils mit gefühlt 200 km/h in entgegengesetzter Richtung durch die Station. Da merkt man plötzlich sehr deutlich, warum man hinter den Sicherheitslinien bleiben sollte.
Und diese Züge sind wirklich auf die Minute pünktlich. Nicht „deutsche Bahn pünktlich“, sondern wirklich pünktlich.
Erste Begegnung mit Kyoto-Küche
Vom Bahnhof Kyoto mit dem Taxi noch etwa zehn Minuten bis zum Hotel. Schnell eingecheckt und direkt wieder los. Eigentlich wollten wir noch in die berühmte Pontochō-Gasse schauen. Haben wir aber nicht geschafft.
Wir sind vorher schon in einem kleinen Restaurant hängen geblieben. Anfangs wirkte alles noch ganz normal. Gute Bewertungen, nette Atmosphäre, wir waren nur die einzigen Gäste. Das hätte uns vielleicht schon einen kleinen Hinweis geben können.
Dann kam die Speisekarte.
Die Übersetzung sprach irgendwann von Hühnerhals, Knorpel und diversen Dingen, bei denen am Tisch plötzlich niemand mehr besonders mutig war. Nach kurzer demokratischer Krisensitzung haben wir beschlossen, dass wir heute kulturell vielleicht doch nicht ganz so offen sind wie gedacht.
Also höflich wieder raus.
KitKat als Glücksbringer
Am Ende wurde es deutlich ungefährlicher: gebratene Nudeln, Knoblauchbrot und ein frisch gezapftes Sapporo Pils. Damit kann man arbeiten.
Auf dem Rückweg noch ein kurzer „Store Check“ in einem großen Supermarkt. Wahnsinn, was dort alles angeboten wird. Obst, Gemüse, Fisch, Fertiggerichte — und gefühlt zwanzig verschiedene Sorten KitKat.
War mir komplett neu, dass KitKat in Japan fast schon Kultstatus hat. Der Name klingt wohl ähnlich wie „Kitto Katsu“, also ungefähr „du wirst sicher gewinnen“. Deshalb werden die Dinger gerne vor Prüfungen verschenkt. Dazu kommen unzählige Sondereditionen: Matcha, Sakura, Wasabi, Sake und wahrscheinlich noch fünfzig weitere Geschmacksrichtungen, die man erstmal verarbeiten muss.
Japan schafft es wirklich, aus allem eine eigene kleine Welt zu machen.
Morgen dann Kyoto bei Nacht. Hoffentlich diesmal inklusive Pontochō und ohne Hühnerhals.
Konbanwa.
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