Kyoto meinte es heute ernst mit uns. Der Wecker klingelte um 4:45 Uhr. Also zu einer Uhrzeit, bei der ich normalerweise höchstens mal prüfe, ob ich mich im Wochentag geirrt habe. Ziel war der berühmte Torii-Tunnel in Kyoto (Senbon Torii). Der Plan: früh genug dort sein, bevor die Touristenmassen einfallen.
Spoiler: Den Plan hatten offenbar ungefähr alle anderen auch.
Frühsport mit roten Torii
Kurz vor sechs ging es los und gegen 6:30 Uhr standen wir bereits am Schrein. Allerdings hatte ich schon beim Verlassen des Hotels das ungute Gefühl, dass wir trotz der Uhrzeit eigentlich schon zu spät dran sind. Überall Menschen mit demselben Ziel. Und ja, dieses Gefühl sollte sich leider als ziemlich korrekt herausstellen.
Busladungen voller Touristen. Wirklich komplette Busladungen.
Mit etwas Geduld konnte man zwar trotzdem Fotos vom berühmten Torii-Tunnel machen, ohne dass irgendeine fremde Touristen-Nase durchs Bild lief. Sogar die eigene ließ sich erfolgreich vermeiden. Aber entspannt war anders.
Dazu kam, dass die Temperaturen minütlich nach oben gingen. Ständiges Bergauflaufen hilft da auch nicht gerade. Ich bin ja ohnehin eher Team Schatten als Team pralle Sonne. Nachtschattengewächs trifft es ganz gut.
Souvenirshops im Endgegner-Modus
Auf dem Rückweg dann noch einmal durch die Gassen mit den Souvenirshops links und rechts. Und spätestens dort war endgültig Ausnahmezustand angesagt.
Das Ganze erinnerte mich stellenweise ans Johannesfest in Mainz. Nur mit deutlich mehr Selfie-Sticks.
Schulklassen, Reisegruppen, Busladungen, Gedränge überall. Irgendwann kippt so etwas von „lebendig“ zu „anstrengend“. Wir wollten eigentlich noch Chopsticks kaufen, haben das Vorhaben aber irgendwann aufgegeben. Nicht wegen mangelnder Auswahl, sondern weil allein das Anstehen schon aussah wie ein Survival-Test.
Tja. Dann heute eben keine Essstäbchen.
Geisha-Viertel mit erstaunlich wenig Geisha
Danach ging es noch ins Geisha-Viertel in Kyoto. Wir dachten eigentlich, dort wäre tagsüber etwas mehr los. War es aber nicht.
Eher komplette Ruhe.
Also beschlossen wir erstmal einen Zwischenstopp im Hotel einzulegen. Runterkühlen, kurz ausruhen, zwei Maschinen Wäsche waschen und einmal wieder halbwegs menschlich werden. Gerade bei diesen Städtereisen merkt man irgendwann doch, dass das hier kein Strandurlaub mit Cocktail und Liege ist. Man läuft sich jeden Tag einmal quer durch die eigene Energieversorgung.
Kyoto bei Abenddämmerung
Am Abend dann wieder los. Und ehrlich gesagt war Kyoto bei den angenehmeren Temperaturen direkt deutlich sympathischer.
Wir sind durch die berühmte kleine Kneipengasse (Pontocho Gasse) gezogen und haben uns irgendwo japanische Spieße geholt. Genau das Richtige nach einem Tag voller Treppen, Menschenmassen und Sonne. Am Nebentisch saß ein japanisches Ehepaar, mit dem wir uns noch ein bisschen unterhalten haben. Solche Begegnungen bleiben am Ende meistens mehr hängen als irgendein überlaufener Hotspot.
Danach noch etwas durch Kyoto gebummelt und später erneut ins Geisha-Viertel, diesmal mit der Hoffnung, dass abends vielleicht doch etwas mehr Stimmung aufkommt.
Aber auch da: eher Fehlanzeige.
Außer einem Autokorso aus Taxis war nicht viel los. Manchmal malt man sich Orte im Kopf einfach lebendiger aus, als sie am Ende sind. Gehört vermutlich auch dazu.
Der Tag endet… natürlich zu spät
Mit dem Bus ging es zurück ins Hotel. Dort dann noch die nächsten Tage besprochen und spontan ein Hotel umgebucht. Irgendwann war es dann Mitternacht, bis wir endlich im Bett lagen.
Und natürlich stand der Wecker am nächsten Morgen schon wieder auf 6:30 Uhr.
Man gönnt sich ja sonst nichts.
Jaa ne.
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