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Kanazawa zwischen Traumgarten und Nahrungssuche

Kanazawa meint es heute erstmal gut mit uns. Nach dem Onsen gestern Abend erstaunlich gut geschlafen. Heißes Wasser macht offensichtlich genau das, was man ihm nachsagt: müde und weichgekocht. Fühlte mich ein bisschen wie ein Hummer.

Morgens der erste Kaffee auf dem Zimmer, dann noch ein zweiter von Mister Donut auf die Hand. Irgendwie entwickelt sich das hier gerade zu einer stabilen Reise-Konstante. Danach ging es Richtung Kenroku-en. Oder wie ich ihn anfangs halb im Kopf ausgesprochen habe: „Ken Rocco N.“ Klingt eher nach einem italienischen Schlagersänger als nach einem der berühmtesten Gärten Japans.

## Kenroku-en: Ja, der Ruf passt schon

Der Kenroku-en gilt als einer der schönsten Gärten Japans. Und diesmal ist das keine typische Reiseführer-Übertreibung. Das Ding ist wirklich beeindruckend.

Groß, extrem gepflegt, überall Wasser, kleine Brücken, Wege, Bäume, Ruheinseln und vor allem genug Schattenplätze, um bei den Temperaturen nicht komplett einzugehen. Alles wirkt sehr bewusst angelegt, aber trotzdem nicht künstlich geschniegelt. Man läuft einfach durch und merkt irgendwann: Okay, hier könnte man ziemlich lange einfach nur rumlaufen und schauen.

Und das Beste: Trotz der vielen Besucher fühlt es sich nicht nach Freizeitpark an.

## Bus-Rundkurs und zwei historische Viertel

Gegen 13 Uhr dann weiter mit dem Bus. In Kanazawa gibt es diese Rundlinien, die einmal durch die wichtigen Ecken der Stadt fahren. Praktisch, unkompliziert und bei der Wärme deutlich angenehmer als sinnlos Kilometer abzuspulen.

Erster Halt: Samurai-Viertel.

Später dann weiter ins Geisha-Viertel.

Tja. Beides nett. Aber ehrlich gesagt nicht ganz der totale „Wow“-Moment, den manche daraus machen. Im Geisha-Viertel viele kleine Restaurants, Kunstläden und vor allem Menschen, die beschäftigt damit sind, sich gegenseitig beim Selfie-Machen zu fotografieren. Machen wir ja überhaupt nicht;-) 

Gesehen. Haken dran.

Immerhin einen guten Snack gehabt. Das rettet vieles.

## Nomura-ke und der japanische Gartenbau-Endgegner

Im Samurai-Viertel waren wir im Nomura-ke Samurai Heritage Residence. Ein ehemaliges Samurai-Haus mit kleinem Garten.

Und klein heißt hier nicht simpel.

Da steckt auf wenigen Quadratmetern gefühlt alles drin, was japanische Gärten ausmacht: Wasser, Steine, Pflanzen, Perspektiven, bewusst gesetzte Blickachsen und dieses Prinzip, dass alles irgendwie zufällig aussieht, aber garantiert millimetergenau geplant wurde.

Während bei uns zuhause oft einer stolz erzählt, dass er drei Büsche vor die Garage gesetzt hat, bauen die hier komplette Landschaftsphilosophien in Innenhöfe.

## Klimaanlage oder Hitzeschlag. Dazwischen wenig.

Das Wetter bleibt anstrengend. Im Schatten okay. In der Sonne eher Kategorie „ich zerlaufe jetzt langsam“.

Ich sage es nochmal ganz offen: Im Hochsommer möchte ich hier nicht sein. Wirklich nicht. Draußen heiß und schwül, drinnen dann Klimaanlagen auf Polarstation eingestellt. Man läuft permanent gegen Temperatur-Wände. Der Körper weiß irgendwann gar nicht mehr, ob er schwitzen oder frieren soll.

## Japanisches Essen und meine kulinarische Krise

Am Abend wieder Nahrungssuche.

Und inzwischen muss ich ehrlich sagen: Für mich ist Essen in Japan schwieriger als in Südostasien. Thomas ist komplett im Paradies unterwegs. Meeresfrüchte, Fisch, alles mögliche aus dem Ozean — Jackpot.

Ich dagegen esse keine Muscheln, keine Schalentiere, nichts mit Augen, Fühlern oder sonstigem maritime Horrorfilm-Zubehör. Damit fällt hier gefühlt spontan die Hälfte aller Speisekarten weg.

Und Wagyu jeden Tag funktioniert halt auch nicht. Zumindest nicht dauerhaft. Finanziell wahrscheinlich sowieso fragwürdig, körperlich vermutlich ebenfalls.

Also wieder die sichere Bank: Onigiri aus dem Konbini. Japanischer Convenience-Store. Klingt unspektakulär, rettet aber regelmäßig den Tag.

## Morgen zurück nach Tokio

Morgen früh um 9 Uhr holt uns ein Taxi ab. Dann geht es mit dem Shinkansen zurück nach Tokio. Diese Hochgeschwindigkeitszüge sind inzwischen fast schon erschreckend normal geworden. Am Anfang noch großes Staunen, inzwischen eher: „Okay, welcher Wagen diesmal?“

Kanazawa hat mir insgesamt wirklich gut gefallen. Weniger hektisch als Osaka oder Tokio, entspannter, angenehmer. Und der Kenroku-en allein war die Reise hierher schon wert.

Jetzt noch ein bisschen runterkommen. Vielleicht noch ein letzter Kaffee aus dem Konbini.

Bis morgen.  

jaa ne

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