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Kanazawa: knapper Anschluss, ehrliche Ramen und ein finnisches Wurfspiel mitten in Japan

Jetzt kommt eine Wiederholung..​Heute hieß es mal wieder: früh raus. 06:00 Uhr. Koffer schließen, einmal prüfen ob alles da ist und weiter Richtung Nordosten. Nach den letzten Tagen in Osaka ging es heute nach Kanazawa. Die letzten vier Tage der Reise hatten wir bewusst offengelassen. Am Ende fiel die Wahl auf Kanazawa. Gute Entscheidung bisher.

Die Strecke: erst mit dem Thunderbird bis Tsuruga, dort Umstieg in den Shinkansen. Klingt entspannt. War es grundsätzlich auch. Mit einem kleinen Puls-Moment direkt zu Beginn.

## Japan und verlorene Handys

Kaum in Umeda unterwegs, merkt Simone plötzlich: Handy weg. Letzter bekannter Aufenthaltsort? Toilette.

Kurzer Kontrollgriff. Nichts da.

Tja. In Deutschland wäre spätestens jetzt die Stimmung leicht frostig geworden. Hier in Japan läuft das anders. Eine freundliche Dame schickt uns direkt zum Ticketschalter um die Ecke. Dort liegt das Handy bereits. Abgegeben. Sicher verwahrt. Drei Angaben, kurzer Blick auf den Reisepass und fertig.

Jetzt bitte niemand mit „das gibt es bei uns nicht“. Natürlich gibt es ehrliche Menschen überall. Simone hatte vor Jahren mal ihre Handtasche im Zug vergessen. Wurde am Frankfurter Hauptbahnhof abgegeben. Komplett. Sogar das Bargeld noch drin.

Aber hier in Japan macht man sich ehrlich gesagt einfach weniger Sorgen. Das fällt schon auf.

## Acht Minuten Umstieg in Tsuruga

Der Thunderbird endet in Tsuruga. Laut Fahrplan hatten wir dort exakt acht Minuten zum Umsteigen. Klingt erstmal machbar. Bis man merkt, dass gerade ein kompletter Zug voller Menschen mit Koffern gleichzeitig versucht, von Ebene 1 zu Ebene 3 zu kommen.

Rolltreppe. Stau.

Anzeigetafel prüfen. Noch vier Minuten.

Gleis suchen. Rolltreppe hoch. Noch eine Minute.

Wagen 10 finden? Vergiss es.

Der Zugführer steht schon geschniegelt bereit und sagt irgendwas auf Japanisch durch. Vermutlich nicht: „Die Deutschen schon wieder.“ Also rein in Wagen 7. Sicherheitslösung.

Und tatsächlich: Wir hatten die Mitte des Wagens kaum erreicht, da fuhr der Shinkansen los. Wenn so ein Anschluss irgendwo funktioniert, dann hier.

Kleiner Reminder an Simone: Tickets vielleicht künftig in die Hosentasche und nicht in den Rucksack. Spart ungefähr 30 Sekunden Lebenszeit.

Ach ja. Genau in dem Moment, als wir in Tsuruga einrollen, läuft auf meinen AirPods „Time Is Tight“ von Booker T. & the M.G.’s. Kannste dir nicht ausdenken. Wirklich nicht.

## Ankommen in Kanazawa

Pünktlich in Kanazawa angekommen. Kurz Taxi zum Hotel, Koffer in den Locker und direkt weiter zum Omichō-Markt. Der liegt praktisch um die Ecke.

Der Markt ist deutlich kleiner als manches, was wir bisher gesehen haben, aber genau das machte ihn angenehm. Nicht komplett überdreht, nicht völlig touristisch erschlagen. Frischer Fisch, kleine Stände, entspannte Atmosphäre.

Danach ging es zu Fuß weiter zum Kanazawa Castle. Nach den Burgen in Himeji und Osaka wirkt das Castle selbst ehrlich gesagt eher unspektakulär. Die große Überraschung lag diesmal davor.

Auf der riesigen Wiese lief ein Turnier. Erst dachte ich an Wikinger-Schach. Stellte sich aber als Mölkky heraus. Ein finnisches Wurfspiel mit nummerierten Holzklötzen. Offenbar gerade ziemlich beliebt hier in der Gegend. Viele Teams, viel Stimmung und erstaunlich ernsthafte Gesichter für Leute, die Holzstäbe werfen.

## Kaffee mit Aussicht

Nach dem Rundgang zufällig ein kleines Café entdeckt. Außenbalkon. Genau zwei Plätze. Und genau die waren frei.

Also hingesetzt.

Mit Abstand der beste Kaffee der bisherigen Reise. Dazu Zitronenkuchen. Kein großes Tamtam, kein Instagram-Laden, einfach richtig gut. Dazu Blick Richtung Castle und diese angenehm entspannte Sonntagsstimmung.

Manchmal sind genau das die Momente, die hängen bleiben.

## Goldene Stunde und ehrliche Ramen

Später noch durch das alte Geisha-Viertel gelaufen: Higashi Chaya District. Sonntagabend war für viele kleine Geschäfte schon fast Feierabend. Dafür wurde das Licht langsam richtig gut. Goldene Stunde funktioniert eben auch in Japan zuverlässig.

Wir kommen morgen nochmal wieder.

Zum Abendessen dann erneut eine sehr kleine Ramen-Bude. Vielleicht zehn Plätze insgesamt. Die äußeren Bedingungen… sagen wir mal… rustikal. Da musste man den Blick von der einen oder anderen Ecke bewusst weglenken.

Aber die Ramen selbst: richtig gut.

Wir hatten nur die Basic-Version. Reichte völlig. Die großen Portionen wären sportlich geworden. Sehr viele Nudeln, kräftige Brühe, genau richtig nach dem langen Tag.

Unterm Strich war Kanazawa heute vor allem eins: angenehm entspannt. Nach Osaka wirkt alles etwas ruhiger, etwas kleiner und irgendwie entschleunigter. Tut gerade ganz gut. Auch wenn einem dabei langsam klar wird, dass die Reise sich dem Ende nähert.

Morgen noch ein kompletter Tag hier. Danach zurück nach Tokio.

Mal sehen, was bis dahin noch schiefgeht.

Oyasumi 

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