Der 18. Mai war so ein klassischer Transfertag, der am Ende trotzdem komplett vollgestopft war. Nach vier Nächten in Kyoto ging es weiter Richtung Hiroshima und später noch rüber nach Miyajima. Gefühlt also einmal quer durchs Land und trotzdem lief alles erstaunlich entspannt ab. Zumindest meistens.
Morgens im Hotel erstmal das Gepäck für den Takkyubin-Service abgegeben. Diesmal ziemlich modern. Wir hatten vorher online alles ausgefüllt und am Ende einfach nur noch einen QR-Code an der Rezeption vorgezeigt. Einscannen, fertig. Name, Hotel, Reservierungsnummer, Telefonnummer – alles drin. So macht Digitalisierung Spaß. Deutsche Behörden würden dafür vermutlich erst mal einen Arbeitskreis gründen. Bezahlt wird beim Gepäcktransport übrigens weiterhin bar. Für zwei Koffer waren es ungefähr 4800 Yen, also etwa 26 Euro.
## Shinkansen wie immer absurd effizient
Der Transfer von Kyoto nach Hiroshima lief völlig problemlos. Mittlerweile wundert man sich fast schon nicht mehr darüber, wie gut dieses System funktioniert. Trotzdem beeindruckt mich jedes Mal diese Mischung aus Ruhe und Organisation.
Besonders praktisch sind die Wagenstandsanzeiger auf dem Bahnsteig. Da steht nicht nur, wo dein Wagen hält, sondern sogar welcher Eingang sinnvoll ist, damit du direkt in der Nähe deines Sitzplatzes einsteigen kannst. Klingt banal, macht aber bei langen Zügen und vielen Leuten echt einen Unterschied. Da steigt niemand hektisch irgendwo ein und kämpft sich dann mit Koffern durch den halben Zug.
## Hiroshima: beeindruckend ohne große Worte
Nach der Ankunft direkt weiter zum Friedenspark und zum Atomic Dome. Und ehrlich gesagt: Hiroshima ist einer dieser Orte, bei denen man nicht viel künstlich dramatisieren muss. Die Atmosphäre funktioniert auch so.
Dazu kam an dem Tag noch diese brutale Hitze. Man läuft durch den Park, schaut sich die einzelnen Bereiche an, die Friedensglocke, die Denkmäler und natürlich den Atomic Dome selbst. Alles wirkt gleichzeitig ruhig und schwer. Nicht bedrückend im klassischen Sinn, eher nachdenklich.
Der Dome selbst ist schon speziell. Man kennt die Bilder natürlich vorher. Aber wenn man dann wirklich davorsteht, mitten zwischen Straßenbahnen, Verkehr und modernen Gebäuden, wirkt das nochmal ganz anders. Hiroshima heute ist eine komplett normale, lebendige Stadt. Und genau deshalb wirkt dieser Ort vermutlich so stark.
Große Worte braucht man da eigentlich nicht.
## Weiter nach Miyajima
Nach dem Zwischenstopp ging es mit der JR-Line weiter Richtung Fähre und anschließend rüber nach Miyajima. Die Insel liegt direkt vor Hiroshima und ist deutlich ruhiger als die Großstadt davor. Zumindest sobald man ein paar Meter weg vom Anleger ist.
Zu unserem Ryokan mussten wir zu Fuß laufen. Zum Glück hatten wir nur das Gepäck für eine Nacht dabei. Taxi? Fehlanzeige. Rikscha? Entweder nicht vorhanden oder gerade irgendwo anders unterwegs. Also Marsch mit Tasche durch die Gegend. Ging schon.
Nach dem Einchecken direkt wieder los, denn das berühmte Torii liegt praktisch um die Ecke unserer Unterkunft.
## Sonnenuntergang am Torii
Wir waren genau rechtzeitig dort, bevor die Sonne unterging. Fotografisch natürlich ein Geschenk. Das Torii im Wasser, langsam wärmeres Licht, Spiegelungen – wirklich ein starkes Motiv.
Allerdings hatten ungefähr achttausend andere Menschen exakt dieselbe Idee.
Es war Ebbe und entsprechend liefen die Touristen direkt um das Tor herum, machten Fotos, posierten, sprangen durchs Bild oder versuchten vermutlich gerade ihr neues Profilfoto für sämtliche sozialen Netzwerke gleichzeitig zu produzieren. Gehört halt dazu. Trotzdem: schön war es wirklich.
Ich habe dort ziemlich lange fotografiert und das Tor aus allen möglichen Perspektiven mitgenommen. Für mich definitiv eines der Highlights bisher auf der Reise.
## Kalte Klimaanlage gegen heiße Außentemperatur
Nach Sonnenuntergang noch kurz etwas essen gegangen. Die Verständigung war mal wieder… sportlich.
Unser Standardproblem bleibt weiterhin das Thema Meeresfrüchte und bestimmte Eiweiße im Essen. Wir haben alles versucht. Google Translate, Zeigen, Umschreiben, vermutlich halb pantomimisch erklärt. So richtig sicher war man trotzdem nie.
Dazu lief die Klimaanlage im Restaurant auf gefühlten Polarwinter. Draußen über 30 Grad, drinnen ungefähr Tiefkühltruhe.
Am Ende wurde es Gemüse-Tempura mit Reis. Damit macht man selten etwas falsch.
# Schlafen wie ein Baby. Für 6 Stunden.
Zurück im Ryokan dann noch das Bad ausprobiert. Im Prinzip ein riesiger Bottich mit sehr heißem Wasser. Extrem simpel, extrem entspannend.
Geschlafen habe ich danach tatsächlich hervorragend. Trotz der eher dünnen Futon-Matratzen auf dem Boden.
Allerdings hielt die Erholung nicht besonders lange an.
Um 4:20 Uhr klingelte bereits wieder der Wecker. Sonnenaufgang am Torii. Natürlich.
Man könnte ja im Urlaub auch einfach ausschlafen. Aber offenbar haben wir uns dagegen entschieden.
jaa ne
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