Drei Wochen unterwegs. Und plötzlich sitzt man wieder im Shinkansen nach Tokio und fragt sich ernsthaft, wer heimlich an der Uhr gedreht hat. Die Reise fühlt sich gleichzeitig ewig lang und viel zu kurz an. Klassisches Japan-Problem.
Vor der Abfahrt in Kanazawa noch schnell einen guten Kaffee und einen glasierten Donut gegessen. Danach Taxi zum Bahnhof. Der Fahrer war gut drauf und hat die komplette Unterhaltung über eine Übersetzungs-App geführt. Funktioniert erstaunlich gut. Definitiv besser als mein Japanisch nach drei Wochen.
Und langsam fängt jetzt die Rechnerei an. Nicht wegen der großen Kosten. Sondern wegen der kleinen. Wie viel Bargeld brauchen wir noch? Wie weit laden wir die Suica-Karte auf? Aktuell waren noch ungefähr 3000 Yen übrig. Also irgendwo zwischen „reicht noch locker“ und „blöd gelaufen“. Das Praktische an der digitalen Suica: drei Klicks auf dem Handy und fertig. Das Unpraktische: Restguthaben bleibt Restguthaben. Also jetzt taktisches Aufladen bis zum Reiseende.
## Zurück im Shinkansen-Alltag
Der Shinkansen war natürlich wieder auf die Minute pünktlich. Eigentlich könnte man die Uhr danach stellen. Oder komplette deutsche Bahnvorstände zu Studienzwecken hierher schicken.
Der Zug ziemlich voll, aber trotzdem angenehm ruhig. Was in Japan einfach auffällt: niemand rennt planlos herum. Die Leute steigen genau dort ein, wo ihr Platz ungefähr ist. Dadurch kaum Gegenverkehr im Wagen. Kein großes Koffer-Tetris. Kein „Entschuldigung, ich müsste da mal durch“. Einfach entspannt effizient.
Ich sitze noch nicht mal richtig auf meinem Platz, da fährt der Zug schon los.
Die 2,5 Stunden gingen dann erstaunlich schnell vorbei. Sandwiches, Getränke, noch ein Donut, bisschen Video schneiden, bisschen dösen. Shinkansen-Zeit vergeht irgendwie anders.
## Tokio empfängt uns mit 27 Grad und Luxus
Und dann: Tokio. Schwüle 27 Grad. Zack. Willkommen zurück.
Vom Bahnhof bis zum Hotel in Ginza ungefähr einen Kilometer zu Fuß, weil wir kein Taxi bekommen haben und der Öffi irgendwie keinen Sinn gemacht hätte. Zum Glück konnten wir direkt einchecken und uns kurz frisch machen.
Danach direkt wieder raus.
Was sofort auffällt: Tokio ist nicht gleich Tokio. Ginza fühlt sich komplett anders an als andere Viertel. Weniger hektisch. Irgendwie entspannter. Natürlich trotzdem voll, aber nicht dieses Dauer-Gewusel wie anderswo.
Und direkt um die Ecke vom Hotel alles vorhanden: Restaurants, mehrere Konbini, ein Chopstick-Workshop und diese riesigen Einkaufsstraßen. Wobei „Einkaufsstraße“ hier eigentlich bedeutet: eine Luxusmarke nach der anderen.
Louis Vuitton. Cartier. Tiffany. Rolex. Tag Heuer. Armani. Apple natürlich auch. Im Prinzip alle Marken, die einem irgendwie einfallen. Adidas hat es bis in eine Seitenstraße geschafft. Naja, ist ja keine Luxusmarke. Wenn man ein Schaufenster zu lange anschaut, kostet es wahrscheinlich schon Eintritt.
## Cappuccino mit eigenem Foto
Am Nissan Crossing haben wir uns erstmal einen Cappuccino mit eigenem Foto drauf gegönnt. Technisch schon ziemlich cool. Irgendwo zwischen Kaffee und Drucker-Treiber.
Danach noch in den Sony Store. Kameras anschauen geht halt immer. Verkäufer drückt mir direkt die A9 III in die Hand. Nice, aber gehört zu den Dingen, die Mann jetzt wirklich nicht braucht. Oben im dritten Stock lief dann eine Fotoausstellung. Auch angenehm: einfach ruhig anschauen ohne großes Gedränge.
Später noch ein bisschen durch Ginza gelaufen. Mitten zwischen den Hochhäusern plötzlich ein Theater. Dann irgendwo ein winziger Schrein zwischen Glasfassaden. Tokio macht sowas ständig. Eben noch Luxus-Boulevard, zehn Meter weiter steht ein kleiner Schrein eingeklemmt zwischen Beton und Werbung.
Und genau das macht die Stadt irgendwie spannend.
## Sonnenuntergang über Ginza
Das Highlight des Tages war aber eindeutig das Rooftop von Ginza Six.
Tiefstehende Sonne. Blick auf den Tokio Tower auf der einen Seite, den Skytree auf der anderen. Unten die Straßen voller Luxusläden und Menschen. Oben plötzlich Ruhe.
Das war schon ziemlich stark.
Vielleicht morgen noch mal zum Sonnenuntergang hoch. Mal sehen.
## Fried Rice für 3,67 Euro
Irgendwann gegen 14 Uhr kam dann der Punkt, an dem ich einfach richtig Hunger hatte. Nicht Snack-Hunger. Echter Hunger.
Also irgendwo in Ginza in eine kleine Ramenbude im ersten Stock gesetzt. Am Ende gab es simplen Fried Rice mit Frühlingszwiebeln, Ei und Hühnchen. Dazu kleine Suppe und Cola.
Keine große Kunst. Kein Instagram-Essen. Einfach genau das Richtige.
Und dann die Rechnung: umgerechnet 3,67 Euro.
Ganz ehrlich: dafür bekommt man bei uns teilweise nicht mal mehr schlechte Laune.
Abends dann noch Sushi.
Ach ja. Und dann gab es noch den großen Spiegel-Zwischenfall vor dem Sushi-Restaurant. Thomas zählt die Wartenden vor uns und verkündet ernst: „16 Leute.“
Fünf Minuten später die Erkenntnis: Da war ein großer Spiegel.
Er hatte einfach die Spiegelbilder mitgezählt.
Es waren acht.
Kann passieren. Vermutlich.
Fehlte nur der Spruch „ich habe noch nie so viele Zwillinge auf einmal gesehen.“ ;-)
Unterm Strich war das heute ein seltsamer Tag zwischen Rückkehr, Müdigkeit und gleichzeitig noch mal richtig eintauchen in Tokio. Die Reise schließt langsam ihren Kreis. Und genau deswegen fühlt sich der Tag irgendwie besonders an.
Mal sehen, was Tokio die letzten Tage noch auspackt.
Arigatō gozaimasu.
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