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Acht Stunden Hakone-Rundkurs und ein schwarzes Ei für die Lebenserwartung

Hakone ist ja so ein Ort, bei dem man vorher denkt: „Ach, bisschen Seilbahn fahren, bisschen Aussicht, bisschen See.“  

Tja. Am Ende waren es knapp acht Stunden Verkehrsmittel-Hopping inklusive Schwefelgeruch, Wolken-Pech, Serpentinen und einem Reiscracker zum Kaffee.

Unser Hotel in Motohakone liegt praktisch direkt neben dem Hakone Ropeway. Also morgens kurz nach neun los. Der Plan: einmal komplett rund um Hakone. Angeblich dauert das vier bis fünf Stunden. Ja gut. Vielleicht im Laufschritt und ohne irgendwo stehenzubleiben.

## Der Fuji spielt Verstecken

Das Wetter meinte es fast den ganzen Tag gut mit uns. Strahlender Sonnenschein. Eigentlich perfektes Fuji-Wetter.  

Eigentlich.

Denn natürlich waren wir ungefähr fünfzehn Minuten zu spät dran. Aus der Gondel heraus konnten wir den Fuji noch kurz sehen. So halb. Zwischen Stahlseilen. Quasi ein Premium-Blick mit eingebautem Sichtschutz. Und oben angekommen hatte sich der Berg dann komplett hinter Wolken verzogen. Japan kann auch passiv-aggressiv.

Trotzdem: der kurze Blick war stark genug, um zu verstehen, warum alle so auf diesen Berg fixiert sind.

## Schwefelgeruch und schwarze Eier

Oben in Ōwakudani bei den Schwefelfeldern wurde erstmal tief eingeatmet. Schlechte Idee.  

Der Geruch ist irgendwo zwischen „Chemieunfall“ und „vergessenes Frühstücksei“.

Dort gibt es die berühmten schwarzen Eier. Die sehen aus, als hätte jemand beim Kochen komplett aufgegeben, sind aber eigentlich normale Hühnereier. Durch das schwefelhaltige Wasser und das Eisen in der Schale entsteht Eisensulfit, wodurch die Eier schwarz werden. Klingt appetitlich wie ein Werkstoffkunde-Seminar, schmeckt aber letztlich einfach wie ein normales hartgekochtes Ei.

Der Mythos sagt: Für jedes schwarze Ei bekommt man sieben Jahre extra Lebenszeit.  

Ich finde ja, nach dem Schwefelgeruch hat man sich die auch verdient.

## Zahnradbahn, Richtungswechsel und enge Kurven

Mit der Seilbahn ging es weiter nach Sōunzan und von dort mit der Zahnradbahn runter nach Gora. Dort ein bisschen durch den Hakone Gora Park spaziert. Ganz angenehm mal kurz ohne Umsteigen, Einsteigen, Aussteigen und Orientierungspanik.

Ich bin dann alleine in ein Café gegangen und habe mich zu einer älteren Dame gesetzt. Wir haben ernsthaft versucht, uns zu unterhalten. Wirklich ernsthaft. Aber die Sprachbarriere hat uns komplett zerlegt. Google Translate hätte vielleicht helfen können, wenn ich vorher mal geübt hätte, wie das halbwegs flüssig funktioniert. So war das eher digitales Improvisationstheater.

Sie hat mir dann einen Reiscracker zum Kaffee angeboten.  

Nun ja. Sagen wir mal so: Das wäre nicht meine erste Wahl gewesen. Aber natürlich habe ich ihn höflich gegessen. Man will ja nicht als der Deutsche in Erinnerung bleiben, der am Reiscracker scheitert.

Von Gora aus ging es weiter mit dem Zug nach Hakone-Yumoto. Unterwegs ändert der Zug tatsächlich einmal die Fahrtrichtung, weil die Strecke in engen Serpentinen den Berg runterführt. Technisch ziemlich interessant. Gleichzeitig sitzt man da und denkt: „Das kann doch unmöglich der normale Fahrplan sein.“

## Busfahrt mit ehemaligem Rennfahrer

In Hakone kurz durch den Ort geschlendert, zwei Shops angeschaut und dann mit dem Bus weiter nach Motohakone.

Der Busfahrer war vermutlich früher irgendwo im Motorsport aktiv. Anders kann ich mir diese Fahrt durch die engen Kurven nicht erklären. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass Gegenverkehr eher als theoretisches Konzept betrachtet wird.

Die letzte Etappe war dann das berühmte Piratenschiff über den Ashi-See zurück Richtung Ausgangspunkt. Vorbei am Torii of Peace, das man gefühlt auf jedem zweiten Japan-Foto sieht. Sieht tatsächlich ziemlich gut aus. Selbst wenn man nach acht Stunden langsam etwas gar gekocht ist.

## Yukata, Buffet und morgen Kyoto

Zurück im Hotel erstmal kurz aufs Zimmer und durchatmen. Danach wieder im Yukata zum Buffet.  

Irgendwann gewöhnt man sich tatsächlich daran, geschniegelt im Bademantel essen zu gehen. Hätte ich vorher auch nicht gedacht. Aber diese Schuhe. Die Optik steht der Unbequemlichkeit in nichts nach  das Buffet nur 3 m weiter und ich hätte mir Blasen gelaufen.

Morgen geht es dann mit dem Shinkansen weiter nach Kyoto.  

Mal sehen, was dort als Nächstes schiefgeht.

jaa ne

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