Es gibt diesen Punkt vor einer Reise, da merkt man: Jetzt wird’s ernst.
Nicht, weil man innerlich völlig ruhig und vorbereitet wäre. Das wäre ja auch verdächtig. Sondern weil das Handy plötzlich aussieht, als hätte es längst den Wohnsitz nach Japan verlegt.
Suica ist aktiviert. Das Visa mit QR-Code ist fertig. Auf dem iPhone tummeln sich Airalo, Klook, Taxi Go, Payke, ecbo cloak, Google Translate und vermutlich noch ein paar andere Apps, die alle sehr entschlossen wirken. Ich selbst dagegen bin irgendwo zwischen Vorfreude, leichtem Kontrollzwang und dem Gedanken: Vielleicht sollte ich langsam mal an den Koffer denken.
Früher brauchte man einen Reiseführer. Heute braucht man 14 Apps und Nerven.
Ich will nicht nostalgisch klingen, aber früher war Reisen einfacher. Da hatte man einen Ausdruck, einen Stadtplan und eine grob optimistische Grundeinstellung. Heute braucht man für jede Lebenslage eine App.
Eine fürs Internet.
Eine für Tickets.
Eine für Gepäck.
Eine zum Übersetzen.
Eine, damit man Dinge kaufen kann, von denen man vorher nicht wusste, dass es sie gibt.
Und wahrscheinlich fehlt noch eine, die mir sagt, welche der anderen Apps ich gerade eigentlich öffnen wollte.
Das Schöne daran: Man fühlt sich wahnsinnig vorbereitet.
Das Ehrliche daran: Am Ende nutzt man vor Ort wahrscheinlich drei davon wirklich und klickt den Rest nur nervös an, wenn irgendwas piept.
Suica auf dem Handy. Erwachsener wird’s heute nicht mehr.
Die Suica zu aktivieren war so ein Moment, bei dem ich kurz dachte: So. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.
Klar, rein technisch könnte man immer noch zuhause bleiben. Aber emotional ist mit so einer digitalen Fahrkarte die Sache durch. Das ist wie ein stiller Vertrag mit sich selbst: Du fährst da jetzt hin. Du wirst in Tokyo an irgendeinem Automaten stehen und so tun, als wüsstest du genau, was du tust.
Ob das stimmt, ist eine andere Frage.
Aber ich mag diese kleinen Reise-Meilensteine. Dinge, die für Außenstehende komplett unspektakulär wirken, sich selbst aber nach „ok, jetzt wird’s wirklich real“ anfühlen.
Die eSIM ist noch offen. Irgendwas ist ja immer.
Natürlich ist nicht alles fertig. Das wäre ja unheimlich.
Die eSIM ist noch offen, und ich finde, das passt auch ins Gesamtbild. Eine große Reise ohne letzten kleinen Technikbaustellen-Rest wäre ungefähr so glaubwürdig wie ein Flughafen ohne Rollkoffergeräusch.
Irgendwo muss ja noch ein Punkt sein, um den man sich leicht unnötig viele Gedanken machen kann. Sonst fehlt am Ende fast schon was.
Und überhaupt: Ein bisschen organisatorisches Geruckel gehört inzwischen offenbar dazu. Erst Lufthansa mit leichtem Chaos, dann noch ein paar offene Punkte rund um Tokyo, jetzt die eSIM. Läuft also alles ganz normal. Also in Reise-Logik normal. In echter Logik eher nicht.
Ich bin digital schon halb in Tokyo. Praktisch noch im Modus „wo ist eigentlich mein Ladegerät?“
Das ist gerade vielleicht die treffendste Zusammenfassung des Zustands.
Die Reise ist geplant. Die Hotels stehen. Tickets für teamLab, Skytree und Shibuya Sky sind gebucht. Das Visa ist fertig. Die Suica läuft. Das Handy ist geschniegelt bis in die letzte App.
Und ich?
Ich überlege ernsthaft, welche Kabel mitmüssen, ob ich zu früh an Kofferpacken denke und ob man wirklich jemals an den Punkt kommt, an dem man sagt: Ja, jetzt bin ich komplett vorbereitet.
Wahrscheinlich nicht. Aber vielleicht ist genau das Teil des Ganzen. Dass man kurz vor Abflug nie geschniegelt fertig ist, sondern nur zunehmend sicherer, dass man trotzdem loswill.
Vorfreude ist inzwischen keine Idee mehr, sondern Betriebssystem
Seit November steht diese Reise im Raum. Damals war sie noch ziemlich weit weg. Eher Projekt als Realität. Jetzt ist sie plötzlich so nah, dass selbst banale Dinge wie QR-Codes und Wallet-Karten ein kleines Kribbeln auslösen.
Das finde ich gleichzeitig schön und leicht absurd.
Japan ist noch nicht da. Aber die Vorfreude ist längst angekommen. Und mein Handy offensichtlich auch.
Der Rest von mir reist dann bald hinterher. Hoffe ich zumindest. Wäre peinlich, wenn am Ende nur die Apps fliegen.


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